Geschichte des HGDO

21.4.1904

Das heutige Helmholtz-Gymnasium nimmt als „Realschule in Entwicklung” seinen Betrieb  auf. Standort ist Münsterstraße 158 – ein Provisorium.

21.2.1905

Auszug

aus dem Sitzungsprotokoll des

Magistrats

vom 21. Februar 1905

Anwesend 17 Mitglieder

15.)  Der Magistrat genehmigt die Errichtung einer Realschule nebst Direktorwohnung an der Münsterstrasse nach dem vorliegenden Projekt und dem vorliegenden Kostenanschlag und bewilligt die erforderlichen Mittel im Betrage von ca. 585 000 [M].

Frühjahr 1907

Realschule (im Norden) Münsterstr. 122

Das neue Schuljahr beginnt Dienstag, 16. April. Die Prüfung neu aufzunehmender Schüler*) findet statt am Montag, den 15. April, morgens 8 Uhr , im  neuen Realschulgebäude, Münsterstr. 122. Anmeldung neuer Schüler bis Montag, den 8. April, durch Ausfüllung eines Aufnahmescheines, der unentgeltlich im jetzigen Realschulgebäude Münsterstr. 158 beim Kastellan Herrn Bäder zu haben ist.

*) Durch Beschluss des städtischen Schulkuratoriums sind der Realschule im Norden zugewiesen

1. Schüler, die nördlich der Köln-Mindener Eisenbahn wohnen und nördlich einer Linie, die am Hauptbahnhof beginnend über den Burg- und Schwanenwall bis zur Kaiserstraße und dann diese entlang bis zur Bismarckstr. führt;

2. Alle Auswärtigen, also auch diejenigen, die auf den hiesigen Bahnhöfen ankommen.

 

16.4.1907

Die Einweihung der nördlichen Realschule

Dortmund, 16. April

Heute Vormittag hat die Weihe der neuen Realschule im Norden, der schönsten Schule in der Stadt, wahrscheinlich in der ganzen Provinz, stattgehabt. Mit derselben war die

Einführung des Direktors Herrn Professor Dr. Schneider verbunden.

In der Feier, die um 10 ½  Uhr begann, waren zahlreich: Mitglieder des Magistrats, der Stadtverordnetenversammlung, die Direktoren der anderen höheren Lehranstalten undsonstige geladene Gäste in erheblicher Zahl erschienen. […]

„Die schönste Schule in der Stadt, wahrscheinlich in der ganzen Provinz.”

1908

Die erste Abschlussprüfung, das „Einjährige” wird abgenommen. Aus der „Realschule in Entwicklung” wird eine Realschule.

1910

Beginn des Ausbaus zum Realgymnasium.

Ostern 1913 

Latein wird Unterrichtsfach.

1917

Das noch namenlose „Realgymnasium in Entwicklung” erhält den Namen „Hindenburg-Realgymnasium” (i.E.). Zwischen 1933 und 1945 heißt es „Hindenburg-Oberschule”

1918

 

Einträge ins Mitteilungsbuch durch Oberstudiendirektor Wilhelm Paetz:

Als Belohnung für die gute Beteiligung der Schüler bei der 8. Kriegsanleihe wird in der nächsten Woche ein schulfreier Tag gewährt. – 17.7.1918

Die Schüler sollen während der Ferien tüchtig Bennesseln sammeln und trocknen. Die abgelieferten Brennesselkugeln werden dann hier in der Schule nach Gewicht bezahlt. Für das kg getrocknete Brennesselkugel wird 28 Pf ausbezahlt – 1918

In den nächsten Tagen fährt ein Trupp Schüler zur Bucheckernernte nach Brilon. Unter kundiger Leitung sollen dort 3 – 4 Tage Bucheckern gesammelt werden. Die Hälfte der Bucheckern steht zur eigenen Verfügung und kann zu Öl geschlagen werden, die abzuliefernde Hälfte wird gut bezahlt.

Die Schüler haben die Fahrt, Beköstigung und Unterkunft selbst zu bezahlen. Die Kosten betragen 25 Mark, die durch den Ertrag für die abgelieferten Bucheckern und durch das Öl gedeckt sind. – 9.10.1918

 Herbst 1919

Die erste Reifeprüfung wird abgenommen – ein so genanntes „Notabitur”. Der erste Abiturjahrgang umfasst  27 Schüler. Darunter war auch eine Schülerin:  Erna Ruth Philipp. Sie wurde Kinderärztin und emigrierte in die USA.

 1927/28

Die Schülerzahlen steigen, es wird eng: Daher  wird das Hauptgebäude an der Haydnstraße um einen zweistöckigen Anbau erweitert. Der Anbau hat ein Flachdach, um zukünftigen Entwicklungen Rechnung zu tragen. Bis heute ist dieser Teil auf drei Stockwerke angewachsen.

 1933

Aus dem Jahresbericht 1932/33: „Wohl das bedeutungsvollste Ereignis im vergangenen Schuljahr war die nationale Erhebung, an der unsere Schülerschaft äußeren und inneren aktiven Anteil nahm. […] Am 11.3.33 wurde auf dem Anstaltsgebäude die Hakenkreuzfahne gehißt.”

 1936

Wandertag einer Quarta (Kl. 7) im Sommer 1936.

Sieben Schüler (von 48) tragen die Uniform des Deutschen Jungvolks.

 1937

„Ich bin 1933 zur Schule gekommen, zunächst vier Jahre zur Katholischen Volksschule, und dann wechselte ich auf das damalige Hindenburg-Gymnasium, das heutige Helmholtz-Gymnasium an der Münsterstraße über. Das war für meine Eltern ein erhebliches finanzielles Opfer. Mein Vater brauchte zwar nur 18 Mark von 20 Mark Schulgeld bezahlen, weil es unterhalb einer bestimmten Einkommenshöhe lag. Aber das ganze Unterrichtsmaterial mußte bezahlt werden, und als das Unterrichtssystem umgeschmissen wurde und die sogenannte nationalsozialistische Erziehung Platz griff, mußten alle Bücher neugekauft werden: da konnte man keine mehr von Schülern aus höheren Klassen übernehmen.”

(Aus: Vom Nordstadtjungen zum DGB-Kreisvorsitzenden, Helmut Neukirch erzählt sein Leben, Dortmund 1993.)

1938

Mitteilung der Schulleitung

30.3.38

Alle Klassen

 

Der Unterricht schließt morgen (Donnerstag, 31.3.) nach der zweiten Stunde.

Sofort nach der zweiten Stunde begeben sich die Schüler unter Führung der Schüleranführer auf die Aula. Anschließend findet auf dem Schulhof die Flaggenehrung statt.

Das Erscheinen der Schüler in Uniform ist Pflicht.

Der Unterricht beginnt nach den Ferien am 20.4. morgens 8 Uhr.

Zur Feier des Geburtstages des Führers versammeln sich die Schüler nach der Flaggenehrung auf der Aula. Darauf ist frei.

i.V. Becker

 

1940

 

Rundschreiben der Schulleitung

Durch alle Klassen:

Die Metallsammlung zum Geburtstag unseres Führers nähert sich ihrem Ende. Das Ergebnis unserer Schule übertrifft, insbesondere Dank dem Sammeleifer unserer Schüler, alle unsere Erwartungen.

Um das Endergebnis jedoch noch zu steigern, habe ich mich entschlossen am Donnerstag, dem 18.4. schulfrei zu geben. Der ganze Tag soll im Zeichen einer verstärkten Sammeltätigkeit durch die Schüler stehen.

Ich erwarte, daß jeder einzelne an diesem Tag seine ganze Kraft einsetzt, um ein möglichst hohes Sammelergebnis am Donnerstag zu erzielen.

Die Ablieferung des gesammelten Metalles erfolgt im Laufe des Donnerstags. Wenn jedoch die Abgabe am Donnerstag nicht möglich ist, kann die Ablieferung auch Freitag erfolgen.

17.4.40       Klein Oberstudiendirektor 

4.6.1943 

Wegen ständiger Luftangriffe wird die Schule im Rahmen der so genannten “Kinderlandverschickung” zunächst nach Pistyan in der Slowakei, verlegt. Im Januar 1944 geht es für zehn Monate nach Rastatt in Baden, anschließend über Freudenstadt nach Burgau bei Ulm.

24.4.1945

Amerikanische Soldaten nehmen den Ort ein und lösen die Lager der KLV als nationalsozialistische Organisationen auf. Schüler und Lehrer sind obdachlos. Einige Schüler schlagen sich auf eigene Faust nach Dortmund durch. Die übrigen, werden teils nur mühsam, in Familien in der Gegend untergebracht. Die letzten kehren erst Ende September nach Dortmund zurück.

August 1945

Die Stadt Dortmund fasst die Hindenburg-Oberschule und die Ludendorff-Oberschule zum Helmholtz-Gymnasium zusammen.

1946

 

Frau Ilse Kopfermann, Schulsekretärin:

„Die Schule mußte, wie alle Dortmunder Schulen, von vorne wieder anfangen, es fehlten die Schüler, es fehlten die Lehrer, und nicht zuletzt mangelte es an Klassenräumen und Lehrmaterial. Das Schulgebäude stand zwar im großen ganzen, aber innen war nur noch das Erdgeschoß einigermaßen erhalten, und dort hausten, soweit ich mich erinnere, in einigen Klassenräumen Familien und in anderen Klassen waren Firmen untergebracht. Fensterscheiben waren große Mangelware, und durch das ganze Gebäude zog eine eisige Kälte.”

1.4.1948 

Direktor Dr. Mattenklodt führt seinen Nachfolger Dr. Leypoldt durch das Gebäude: „Das Linoleum fehlt fast überall, es ist in dem Winter 1945/46, als die Schule noch nicht verschließbar war, gestohlen worden. […] An einzelnen Klassenzimmern fehlen noch die Türen. Bei Regenwetter fließt das Wasser bis ins untere Stockwerk. Stühle gibt es kaum im ganzen Gebäude, im Lehrerzimmer sind Bänke aus der früheren Aula aufgestellt. In einem Klassenzimmer wohnt noch eine Familie. Auf dem Schulhof liegt der Schutt so hoch, daß die Schüler der Einfachheit halber bei Schluß des Unterrichts den Nachhauseweg aus den Fenstern über die Schutthaufen hinweg antreten.”

50er Jahre

 

Das Schulgebäude in den 50er Jahren.

Die Fassade ist stark verrußt.

 21.4.1954

1968/69

Der Anbau in der Haydnstraße erhält ein weiteres Stockwerk.

1973

Die ersten Mädchen werden in die Eingangsklassen aufgenommen. In der reformierten Oberstufe gibt es eine Kooperation mit dem Helene-Lange-Gymnasium.

1979

Zum 75. Jubiläum wird die Fassade des Helmholtz-Gymnasiums renoviert. Von dichtem Efeu überrankte bauliche Details sind nun wieder sichtbar – wenn man weiß, wo man sie findet.

 

 

 

1980

Die Schule wächst weiter und braucht dringend neue Räume. An der Nordseite des Schulhofs wird ein Provisorium” – so genannte Mobilklassen (acht Räume) – aufgestellt. Im Foto: der Zustand im Februar  2007, gestaltet” vom Abitur-Jahrgang 2006.Der Abriss erfolgte in den Herbstferien 2007.

1988 Einrichtung des ersten  Informatik-Fachraums, der seitdem weitgehend auf dem Stand der Technik gehalten wird. 1998 kommt ein weiterer Computerraum hinzu und im neuen Gebäude entsteht 2007 ein dritter. Internet-Zugang gibt es seitdem auch im Selbstlernzentrum.
1995/96

Der Anbau an der Haydnstraße erhält einen weiteren Anbau mit Fachräumen für Biologie und Physik. Im Zuge der Umbaumaßnahmen bekommt das Fach Musik neue Räume und es entsteht ein neues Lehrerzimmer. Foto aus 2007 – Gebäude mit schon leichter Patina.

 

1998

Das Helmholtz-Gymnasium wird zu einer der fünf Projektschulen in Dortmund, die im Rahmen des Projekts Schulen ans Netz” als Medienstützpunkt ausgewiesen sind. Es entsteht ein zweiter Fachraum.

Alle Schülerinnen und Schüler werden an die Arbeit mit Rechnern herangeführt, und dazu zählt in Klasse 5 auch ein altersgerechter Kurs zur Beherrschung der Tastatur im Zehn-Finger-blind-Verfahren. Internet-Recherche, Umgang mit Powerpoint und Excel werden in den folgenden Jahrgangsstufen eingeführt und erweitert.

2001

Aufbau einer Schulpartnerschaft mit der Horea-Schule in Cluj-Napoca (Rumänien). Im Sommer und Herbst 2002 fanden die ersten gegenseitigen Besuche statt. Im Foto: der Besuch aus Rumänien und ihre Gastgeber im Oktober 2006

2001/02

Start des 13 plus” Betreuungsprogamms für Schülerinnen und Schüler der 5. und 6. Klassen. Sie erhalten ein Mittagessen, werden bei der Erledigung ihrer Hausaufgaben betreut und angeleitet und nehmen anschließend  an  unterschiedlichen Freizeitaktivitäten teil, in die auch das Keuning-Haus eingebunden ist. Es gibt Tanz, Theaterspiel, Jonglage, Artistik, Musik, Computer-Anwendungen  und Gruppenspiele.

Dieses Angebot ist inzwischen in unserem Ganztag” aufgegangen.

1.12.2003

 

In einem Raum der freigezogenen ehemaligen Bücherei Nord nimmt die Kantine ihren Betrieb auf. Im selben Gebäude wird zur gleichen Zeit auch der neue Schülerclub” untergebracht, der von einer Sozialpädagogin geleitet wird.

2003/04 Start des bilingualen Bildungsgangs im deutsch-englischen Zweisprachenzweig.

Im Foto: die Bili-Pioniere” im Jubiläumsjahr: da waren sie bereits in Klasse 6. 2011 legten sie ihr Abitur ab.

21.4.2004

Herbst 2004 Die ersten Streitschlichterinnen beenden ihre Ausbildung. Im Mai 2005 beginnt  am Helmholtz die Institution der Streitschlichtung.
30.6.2005 Der Rat der Stadt Dortmund beschließt den Umbau und die Erweiterung  der ehemaligen Bücherei Nord zur Nutzung durch das Helmholtz-Gymnasium.
2006 Beginn der Bauarbeiten. Im Foto: die Baustelle im Februar 2007 – z.T. verdeckt vom Pavillon

21.9.2007 Oberbürgermeister Langemeyer übergibt das neue Gebäude dem Helmholtz-Gymnasium zur Nutzung.
1906/07

bis

2006/07

Bauliche Entwicklung in hundert Jahren.

Grafik: LO

August 2007 Fertigstellung der Wandmalerei an der nördlichen Fassade. Der Entwurf ging aus einem Schüler-Malwettbewerb hervor und ist Station XXIX des Projekts Bilderflut – Das Lexikon der (Nord)stadt.”
Quellen Quellen-Texte und Abbildungen entstammen größtenteils den Festschriften zum 50., 75. und 100. Jubiläum, sowie insbesondere auch der Sonderausgabe der Schülerzeitung „Der Holtzwurm” anlässlich des 90. Jubiläums unserer Schule. Weitere Fotos: Website HGDO und LO. Ergänzende Texte: LO

Überarbeitet: 14.8.2011 LO